Potenziale von Open Data in der Stadtentwicklung – eine Rekonstruktion sozialer Milieus aus öffentlichen Datenbeständen

Guth, Marvin and Lindner, Alexandra (2019) Potenziale von Open Data in der Stadtentwicklung – eine Rekonstruktion sozialer Milieus aus öffentlichen Datenbeständen. REAL CORP 2019 – IS THIS THE REAL WORLD? Perfect Smart Cities vs. Real Emotional Cities. Proceedings of 24th International Conference on Urban Planning, Regional Development and Information Society. pp. 563-572. ISSN 2521-3938

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Abstract

Soziale Ungleichheiten, eigentlich Teil der Kerndisziplinen der Soziologie, beschäftigen bei einer Übertragung in den Raum auch Stadt- und Raumplaner. Die Untersuchung sozialer Ungleichheiten und die Betrachtung der räumlichen Verteilung dieser Ungleichheiten sind jedoch beinahe untrennbar. So sind zum Beispiel statusniedrige Gruppen durch die überwiegend am Markt orientierte Wohnungsversorgung in der Regel auf schlechter ausgestattete Wohngebiete angewiesen (VOLKMANN 2012: 8). Untersuchungen hinsichtlich der Entstehung von Segregation sowie deren Folgen sind dabei bereits in umfassender Form vorhanden. Während meist Indikatoren wie Arbeitslosigkeit oder Einkommen verwendet werden, gibt es Grund zur Annahme, dass sich Individuen auch hinsichtlich ihrer Wertorientierung räumlich konzentrieren (FRIEDRICHS 1995: 93). Einige kommerzielle Angebote wie die Sinus-Geo-Milieus des Heidelberger Sinus-Instituts nutzen dabei das mikrogeografische Datensystem von Microm, um soziale Milieus räumlich zu rekonstruieren. In der Literatur existiert inzwischen eine große Vielfalt an unterschiedlichen Untersuchungen, in denen bestehende Milieukonstruktionen auf unterschiedlichste Hypothesen geprüft wurden. Auf Grundlage dieser Untersuchungen lassen sich geeignete Variablen ableiten, die mit bestimmten Milieuzugehörigkeiten korrelieren. So wurde beispielsweise der Zusammenhang zwischen Parteipräferenzen und der Zugehörigkeit zu einem Milieu untersucht (ZERGER 2000; VEHRKAMP & WEGSCHAIDER 2017). Zusammen mit Variablen, welche den sozialen Status eines Individuums abbilden, kann folglich mit Hilfe geeigneter statistischer Daten eine Milieuklassifizierung abgeleitet werden. Anders als die Sinus-Geo-Milieus, zeichnet sich der in diesem Beitrag dargestellte, pragmatische Ansatz zur Herleitung der sozialen Milieus durch das bloße Zurückgreifen auf Open Data in Form von statistischen Datenbeständen aus. Während bei Milieuklassifizierungen kommerzieller Anbieter der genaue Zuweisungsalgorythmus zu einem Milieu als Betriebsgeheimnis gilt (OTTE 2004: 52), zeichnet sich der hier beschriebene Ansatz zur Herleitung sozialer Milieus durch eine hohe methodische Transparenz und folglich auch eine hohe Nachvollziehbarkeit sowie Reproduzierbarkeit aus. Angelehnt an aktuelle Milieukonstruktionen werden dabei sowohl der soziale Status, als auch die Wertorientierung mit Hilfe eines gestuften Indexverfahrens abgebildet. Aufgrund der transparenten Methodik werden außerdem Vergleiche zwischen verschiedenen Raumebenen oder Städten möglich. Da die verwendeten Daten bereits innerhalb der Kommune erhoben wurden und folglich nicht mit komplexen Erhebungsmethoden generiert werden müssen, ist der beschriebene Ansatz zur Herleitung sozialer Milieus mit erheblich geringeren zeitlichen sowie monetären Ressorcen Verbunden sowie variabel in den Raum, beziehungsweise kommunal-administrativeRaumeinheiten übertragbar. Letzteres ermöglicht eine Integration der Milieuklassifizierung in die kommunale Sozialberichterstattung und somit die eigenständige Beobachtung und Fortschreibung seitens städtischer Verwaltungen. In diesem Beitrag wird zunächst die Entwicklung des Milieubegriffs skizziert und ein kurzer Einblick auf aktuelle Forschungsschwerpunkte gegeben. Im Anschluss erfolgt eine Erläuterung der Mehrwerte und Hindernisse kommunaler Open Data-Angebote. Der inhaltliche Schwerpunkt des Beitrages liegt auf einer Darstellung der Methodik zur Ableitung sozialer Milieus auf Grundlage öffentlich verfügbarer, kommunaler Datenbestände. Die Anwendung der Methodik wird am Beispiel der Stadt Essen auf Stadtteilebene durchgeführt und visualisiert. Im Fazit wird das Open Data-Angebot des Fallbeispiels erläutert und Möglichkeiten zur Nutzung sozialer Milieus in der Stadtentwicklung in Form eines Ausblicks beschrieben.

Item Type: Article
Uncontrolled Keywords: Indexverfahren, Open Data, Lebensstile, Indikator, soziale Milieus
Subjects: B Philosophy. Psychology. Religion > B Philosophy (General)
B Philosophy. Psychology. Religion > BF Psychology
B Philosophy. Psychology. Religion > BH Aesthetics
B Philosophy. Psychology. Religion > BJ Ethics
T Technology > TD Environmental technology. Sanitary engineering
T Technology > TH Building construction
Depositing User: The CORP Team
Date Deposited: 03 Apr 2019 16:19
Last Modified: 03 Apr 2019 16:19
URI: http://repository.corp.at/id/eprint/591

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