Methoden zur Bewertung erneuerbarer Energiewende-Potenziale im urbanen Gebäudebestand: Analyse-Ergebnisse aus dem Projekt EWV4EnergieWende

Knoll, Bente and Hohl, Dinah and Lauer, Natalie and Gercek, Nazli and Kahr, Andreas and Schlater, Sarah (2026) Methoden zur Bewertung erneuerbarer Energiewende-Potenziale im urbanen Gebäudebestand: Analyse-Ergebnisse aus dem Projekt EWV4EnergieWende. EVERYBODY PLANS ... SOMETIMES. Cherish Heritage, Plan Now, Create a Better Future! Proceedings of REAL CORP 2026, 31st International Conference on Urban Development, Regional Planning and Information Society. pp. 623-633. ISSN 2521-3938

[img] Text (Methoden zur Bewertung erneuerbarer Energiewende-Potenziale im urbanen Gebäudebestand: Analyse-Ergebnisse aus dem Projekt EWV4EnergieWende)
CORP2026_211.pdf - Published Version

Download (692kB)
Official URL: https://www.corp.at/

Abstract

Der Klimawandel und die aktuelle Energiekrise verstärken bestehende soziale, wirtschaftliche und infrastrukturelle Herausforderungen im urbanen Raum. Der Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Etablierung von Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) gelten als zentrale Hebel zur Reduktion fossiler Energieträger, zur Erhöhung der Energieunabhängigkeit und zur langfristigen Stabilisierung von Energiekosten. Seit Inkrafttreten des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) im Jahr 2021 wurden in Österreich zahlreiche EEGs und Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) gegründet. Diese Entwicklung konzentriert sich jedoch bislang überwiegend auf ländliche Räume, während der dicht verbaute urbane Raum weiterhin deutliche Umsetzungsdefizite aufweist. Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), das im Dezember 2025 im Nationalrat beschlossen wurde und das per Oktober 2026 in Kraft treten wird, verspricht hier relevante Änderungen. Insbesondere in Mehrparteienhäusern und innerstädtischen Baublöcken erschweren regulatorische Rahmenbedingungen, technische Restriktionen, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie soziale und organisationale Faktoren die Umsetzung gemeinschaftlicher Energieprojekte. Interessenskonflikte zwischen Eigentümerinnen, Eigentümern, Nutzerinnen und Nutzern, fehlende kurzfristige wirtschaftliche Anreize, komplexe rechtliche Anforderungen (z. B. Wohnungseigentumsrecht, Denkmalschutz) sowie eine als hoch wahrgenommene technische und organisatorische Komplexität führen zu Zurückhaltung und geringer Akzeptanz. Diese Barrieren treffen insbesondere einkommensschwächere Haushalte und verstärken bestehende Ungleichheiten im Kontext von Energiearmut. Das hier vorgestellte Projekt „EWV4EnergieWende. Konkrete Beiträge zur urbanen Energiewende am Beispiel der Immobilien des Evangelischen Waisenversorgungsvereins Wien“ (FFG-Projekt Nr. 923352) setzt genau an dieser Schnittstelle an und verfolgt das Ziel, Hemmnisse und Erfolgsfaktoren für den Ausbau erneuerbarer Energien und die Gründung von EEGs im dicht verbauten urbanen Raum systematisch zu identifizieren und darauf aufbauend praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln. Ein besonderer Fokus liegt auf klaren, inklusiven und gendersensiblen Kommunikationsstrategien, die technologische und organisatorische Komplexität reduzieren und den Zugang zu gemeinschaftlichen Energieprojekten erleichtern. Als empirische Grundlage dienen sieben innerstädtische Bestandsgebäude im Eigentum des Evangelischen Waisenversorgungsvereins Wien (EWV). Für diese Liegenschaften werden Status-quo-Erhebungen, technische und energetische Analysen sowie sozialräumliche Potenzialanalysen durchgeführt. Ergänzend finden strukturierte Stakeholderinnen- und Stakeholdergespräche mit Gebäudenutzerinnen, Gebäudenutzern, Eigentümerinnen, Eigentümern und weiteren relevanten Akteurinnen und Akteuren statt. Auf Basis der erhobenen Daten werden das technische Potenzial für erneuerbare Erzeugungsanlagen, Möglichkeiten zur Bildung von Energiegemeinschaften sowie wirtschaftliche und organisatorische Umsetzungsvarianten untersucht. Die Ergebnisse münden in einem Maßnahmenkatalog sowie in einem Stufen- und Umsetzungsplan, der konkrete Empfehlungen für einzelne Gebäude und Baublöcke formuliert und sowohl Chancen als auch Risiken transparent darstellt. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Schließung der Lücke zwischen politischen Zielsetzungen, technologischen Möglichkeiten und tatsächlicher Umsetzung im urbanen Raum. Die gewonnenen Erkenntnisse bieten eine übertragbare Wissensbasis für weitere Projekte und können als Orientierung für Eigentümerinnen, Eigentümer, Kommunen, Wohnbauträgerinnen und Wohnbauträger dienen, um die Energiewende sozial gerecht, partizipativ und stadtverträglich voranzutreiben.

Item Type: Article
Uncontrolled Keywords: Energiewende, Bestand, Just Transition, Planung, Wandel
Subjects: G Geography. Anthropology. Recreation > GE Environmental Sciences
T Technology > TA Engineering (General). Civil engineering (General)
T Technology > TH Building construction
Depositing User: REAL CORP Administrator
Date Deposited: 05 Apr 2026 11:49
Last Modified: 05 Apr 2026 11:49
URI: http://repository.corp.at/id/eprint/1274

Actions (login required)

View Item View Item